Philosophie

Ausbildungskonzept über das  Torwarttraining
Von DILYAN ILIEV
Das Konzept besteht aus mehreren verschiedenen Schwerpunkten und basiert sich auf den Entwicklungsphasen von 10 bis 23 Jahre.
Inhaltsverzeichnis:

Grundprinzipien

Entwicklungsphasen

Der moderne Torwart

Qualitatskriterien

Methodische Prinzipien

Fehlerquellen im Torwart-Training

Personorientiertes Einzelcoaching

GRUNDPRINZIPIEN

 

Der alles entscheidende Punkt in der Jugendarbeit ist die Beschäftigung mit jedem einzelnen Kind und Jugendlichen, sowohl sportlich als auch menschlich. Wenn ich wichtige individuelle Eigenarten eines Juniorenspielers nicht wahrnehme oder vernachlässige, dann kann ich ihn auch nicht in dem Maße fördern, wie es vielleicht möglich und nötig wäre.
Im pädagogischen Bereich ist hierbei insbesondere eine Zuwendung gemeint, die den Spieler eigenverantwortlich und gemeinschaftsfähig formt und seine lebensweltlichen Probleme berücksichtigt und sich ihrer annimmt. Der pädagogische Bereich ist im Jugendfußball eindeutig eine entscheidend wichtige Komponente, den sportlichen Bereich zu unterstützen und ihm einen soliden Rahmen zu geben.
Im sportlichen Bereich ist es unablässig, die vom Spieler zum Spieler unterschiedlichen Entwicklungsbiographien zu berücksichtigen. Wenn beispielsweise ein E-Jugend -Spieler außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt und über eine hohe Lernbereitschaft verfügt, dann muss er auch entsprechend trainiert werden. Der eine macht in der E-Jugend einen großen Sprung, der andere in der D-Jugend und noch ein anderer erst in der C-Jugend. Jeder dieser Spieler hat in sich einen differenten Entwicklungsplan, der von den Trainern berücksichtigt werden muss und respektiert werden sollte.
Jungen Spielern in ihrer Entwicklung gerecht zu werden, heißt vor allen Dingen, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie nicht anhand eines äußeren Maßstabes zu bewerten oder zu messen, sondern jeden einzelnen anhand seiner spezifischen Möglichkeiten zu messen, zu fördern und auf seinem eigenen Weg voranzubringen.
Die Methode mit der dies im jeweiligen Trainingsbetrieb ermöglicht werden kann, ist im Grunde ganz einfach und doch für viele schwer. Die Methode heißt ganz einfach Menschlichkeit. Als Torwarttrainer versuche ich nicht jemanden darzustellen, der alles weiß und die Wahrheit geschluckt hat, sondern ich versuche auf einer symmetrischen Kommunikationsebene „gelebtes Wissen“ mit den jungen Torleuten gemeinsam zu erarbeiten. Ich versuche, jeden Einzelnen mit in diesen Prozess einzubeziehen, damit sie sich auf diesem Wege mit ihrer eigenen Entwicklung identifizieren.
Der Kerngedanke hierbei ist die Idee, dass sie sich selbst die besten Trainer sind, denn niemand kennt sie besser, als sie sich selbst. Sicherlich brauchen sie viel Anregung, viel Kritik und einen Wegweiser auf ihrem eigenen Weg, doch letztlich müssen und sollen sie lernen, ihren Weg eigenverantwortlich und selbstkritisch zu gehen.
Ich versuche mich überall dort, wo es möglich und nützlich ist, als „allwissenden“ Trainer, den es sowieso nie geben wird, zurückzunehmen, um ein gleichgesinnter und gleichgestellter Partner zu sein – eben ein Torwartkollege mit etwas mehr Erfahrung.
Am einfachsten und nachhaltigsten ist es, sehr viele Einzelgespräche zu führen. Einzelgespräche über Motivation, Ziele, Probleme, Chancen, und ganz besonders häufig über eine professionelle Einstellung und Lebensweise der heranwachsenden Spieler zu führen. Wenn der Spieler erst einmal richtig begeistert werden konnte und gelernt hat, Verantwortung für sich selber zu übernehmen, dann ist das Training nicht ein einseitiger Monolog von der Seite des Trainers, sondern ein kritischer und fruchtbarer Dialog von Trainer und Torhüter. Das eigentlich wichtigste Training findet meiner Meinung nach nicht auf dem Fußballplatz statt, sondern vielmehr im Kopf und im Herzen des Jugendspielers, in Einzelgesprächen und im gemeinsamen kritischen Dialog. Ohne die richtige innere Haltung und Hingabe zu seinem Sport, wird nie ein großer Kindertraum vom Fußball-Profi in Erfüllung gehen können.
Viele träumen ihr Leben, aber nur sehr wenige leben ihren Traum. Die Aufgabe des Trainers ist es, dem Spieler dabei zu helfen, diesen Traum wirklich aufleben zu lassen.
Allen Trainingseinheiten sollte eine intensive Aufwärmphase vorausgehen, in der besonders der Ball im Vordergrund stehen sollte und die mit einem intensiven Stretching-Programm beendet wird. Dehn- bzw. Stretchingübungen halte nicht nur zur Verletzungsprävention für unerlässlich, sondern auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Torhüter fähig sein muss, viele schnelle und extreme Bewegungen ausführen zu können, um schwierige Bälle abzuwehren. Diese Übungen fördern die Gewandtheit des Torwarts und ganz
besonders auch seine Beweglichkeit, die für ihn sehr vorteilhaft eingesetzt werden kann. Sie fördern eine erhöhte Flexibilität des Bewegungsapparates.

ENTWICKLUNGSPHASEN

 

Alter/Jahre Kurzbeschreibung
bis 10 Allgemeine fußballspezifische Grundausbildung, Fussball spielen lernen.
10 – 13/14 Torwartspezifisches Grundlagentraining, technische, taktische u. konditionelle (Psychomotorik/Koordination) Grundfertigkeiten, Talent erkennen, Anfänger-training mit Berücksichtigung von individueller Talentförderung.
13/14 – 16/18 Torwartspezifisches Grundlagentraining, Festigung der Grundlagen, Erlernen und Festigen „neuer“ Techniken, Fortgeschrittenentraining, Aufbau taktischer und konditioneller Grundlagen (Grundathletik).
16/18 – Mitte 20 Torwartspezifisches Wettkampftraining, systematisches Technik- und Taktiktraining unter Wettkampfbedingungen, spezielles Konditionstraining (Schnell- u. Sprungkraft, Rumpfmuskulatur, etc.), mentales Training, Verbesserung individueller Defizite.

Aufbaudiagramm

DER MODERNE TORWART

 

Im modernen Fußball hat der Torwart meist mehr Ballkontakte mit dem Fuß als mit der Hand. Daher ist es notwendig, Feldspielertechniken regelmäßig zu trainieren. Die Rückpasssituationen erfordern vor allem eine gute Ballan- und -mitnahme sowie ein gezieltes Passspiel. Die Fußballtechnik sollte beidfüssig beherrscht bzw. trainiert werden.
So spielt der moderne Torwart!
Alle sind sich einig, dass der Torhüter eine zentrale Rolle in jeder Fußballmannschaft hat. Doch der Torwart ist nicht mehr nur dazu da um Tore zu verhindern. Denn die Fähigkeiten, die ein Torwart im heutigen Fußball mitbringen muss, sind um einiges komplexer geworden.

 

Die technischen Fähigkeiten

 

Wenn man mal an früher denkt, war jeder Rückpass zum Torwart eine Zitterpartie für jeden Fan. Wie oft sah man das Rückpässe einfach irgendwie nach vorne gedroschen wurden und die Chance, dass der Torwart den Ball gar nicht traf, war um einiges größer als heute.
Ruud Gullit sagte:
„Ein Torwart ist ein Torwart, weil er nicht Fußball spielen kann“.
Diese Aussage ist im heutigen modernen Torwartspiel nicht mehr anwendbar. Die Zeiten, wo der ins Tor gestellt wurde, der auf dem Feld nicht zu gebrauchen war, sind vorbei. Gerade im Jugendfußball sollte darauf geachtet werden, das man die Kinder nicht zu früh auf die Torwartposition spezialisiert. Man sollte die Kinder, die im Tor spielen wollen, rotieren lassen, damit sie auch Erfahrungen als Feldspieler sammeln können und die technischen Fähigkeiten mit dem Fuß geschult werden.
Gerade beim Torwarttraining sollten die Fußfertigkeiten nicht vernachlässigt werden. Viele Übungseinheiten lassen sich auch mit dem Fuß bewerkstelligen. Passtraining sollte im modernen Torwarttraining immer angeboten werden.

 

Die Spieleröffnung

 

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Die Torhüter sind auch für den Spielaufbau sehr wichtig. Gerade deshalb sollte ein Torwart auch ein bisschen Erfahrung als Feldspieler gesammelt haben.
Ein Paradebeispiel für den modernen Torhüter ist Manuel Neuer. Seine schnellen Spieleröffnungen führen immer wieder zu gefährlichen Angriffen, auf die der Gegner sich nur schwer einstellen kann. Aber er steht auch immer wieder als Anspieler bereit um am Spielaufbau mitzuwirken. Er verkörpert den Satz: „Der Torwart ist der erste Angreifer“.

 

Der spielende Torwart

 

Arbeitete der Torwart früher viel mit den Händen, so hat er heute mehr Ballkontakte mit dem Fuß, als mit der Hand. Er wird sehr viel ins Spiel mit einbezogen und nicht nur deshalb, weil das eigene Team führt und ein Rückpass Zeitgewinn bedeutet. Der Torwart wird immer mehr ins Aufbauspiel integriert und spielt insbesondere bei der Verlagerung des Spiel auf die andere Seite eine große Rolle. Deshalb sollte er nicht nur das Passspiel, sondern gerade die Ballannahme und Ballmitnahme beherrschen, Beidbeinigkeit ist dabei selbstverständlich. Oft wird der Torwart auch als „moderner Libero“ bezeichnet, der bei einer Viererkette ja bekanntlich fehlt.
Dazu ist es natürlich wichtig aktiv am Spiel teilzuhaben. Heutzutage steht man als Torhüter nicht mehr wie angewurzelt auf der Torlinie.
Ein Torhüter muss das Spiel „lesen“ können und jederzeit bereit sein, aktiv ins Spiel einzugreifen. Von einem modernen Torwart wird verlangt, dass er sich von der ersten bis zur letzten Minute auf das Spiel konzentriert. Szenen, in denen sich der Keeper an den Pfosten lehnt und dem Spiel zuschaut, gehören schon lange der Vergangenheit an.

 

QUALITÄTSKRITERIEN

 

Jugend-Torwarttraining

 

 

Lerneffekt / Wiederholungen / Qualitätsverbesserung
Könnensstufe / Anforderung Trainer
Trainerdemonstration und Fehlerkorrektur – jeder Trainer muss in der Lage sein die Techniken vorzuzeigen und deutlich die Fehler zu korrigieren
Belastungsintensität (Belastung / Erholung)
Altersgemäßheit / Motivation / Spaßfaktor
Folgeeinheit (Schwerpunkt / Jahresplanung)
Angemessenheit des Themas
Personorientiertes Einzelcoaching / mind. 3 Beurteilungsgespräche in der Saison (Entwicklungs- und Leistungsbögen) bzw. die Einführung einen Torwarttrainersoftware um eine noch bessere Verfolgung der Entwicklungsphasen von den Torleuten zu ermöglichen
Psycho-soziale Betreuung – mentales Training – Umgang mit dem Druck, Erfolg, Misserfolg, Formhöhen und Formtiefen, Medien etc.
Einbindung älterer TW in das Training jüngerer (Verantwortung)
Einzelcoaching während des Mannschaftstrainings
Videoanalyse Trainingseinheit / Spiel
TW-spezifisches Konditionstraining
Plyometrisches Sprung- und Schnellkraft-Training (Jumpsoles)
Bodyweight-Excercises (Krafttraining mit eigenem Körpergewicht)
Thera-Band
Reaktionstraining mit Tennisbällen, Reflexbällen, Minibällen und kreativen und innovativen Geräten wie z.B. Reflexwand oder Reaction Box
Sprungseil
Life Kinetik (Gehirntraining,Augentraining)

 

METHODISCHE PRINZIPIEN

 

2

 

Individuell trainieren!
Im Detail trainieren!
Schwerpunkte trainieren!
Persönlichkeitsorientiert trainieren!
Technikorientiert trainieren!
Mit Motivation / Spaß trainieren!
Mit Spielen und Üben trainieren!
Durch eine sorgfältige Trainingsarbeit im Detail die technisch-taktische Basis der Talente auf ein hohes Level bringen!

FEHLERQUELLEN IM TORWART-TRAINING

 

Allgemein:

 

Stiefkind Torwart Training, Spiel
Trainerausbildung Talentförderung

 

Jugendtraining:

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Aufwärmen ohne Ball, kein spezifisches Aufwärmen
Keine Schwerpunkte
Torwarttraining ohne Training im Detail, Korrekturen
Zu früh, zu viel konditionelle Inhalte mit zu hoher Belastung
Keine langfristigen Konzepte, Beurteilungsbogen
Keine individuelle Betreuung der Torhüter
Spielsysteme und „Erfolgsstreben“ der Trainer verhindern Mitspielen, Risikobereitschaft und damit Lernfortschritt junger Torleute. Man muss ja nicht vergessen, dass das ganze Ausbildungsprojekt ist.
Definition von „Erfolg“ – öffters wird vergessen, dass der Begriff Erfolg das Erreichen selbst gesetzter Ziele bezeichnet.
Grundlagentraining: Spezialist TW

 

PERSONORIENTIERTES EINZELCOACHING

 

Verhältnis der gegenseitigen Achtung:

 

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Wertschätzung üben
Freundlichkeit zeigen
Rücksichtnahme anwenden
Vertrauen schaffen
Anerkennung zum Ausdruck bringen
Nachsichtigkeit wahren
Ermutigung aussprechen
 Hilfsbereitschaft zeigen

 

 

 

Verstehende Grundhaltung:

 

Verständnis mitteilen
Sich so verhalten wie man wirklich ist (Lernprozesse inbegriffen)
Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber
Sich in die Lage hineindenken können
Echtheit / Offenheit / Authentizität: offen Gefühle und Gedanken äußern können
Sich natürlich verhalten, keine Rolle spielen, ohne Fassade sein

 

 

 

allg. Trainerverhalten:

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Nicht nur bestimmen, sondern Lösungen selbst finden lassen (Förderung der Eigeninitiative und Selbständigkeit, Verantwortungsgefühl verstärken)
Prinzip der aktiven Zusammenarbeit!
Anregungen geben (Trainingsende)
Verfügbar sein („Ich bin für euch da!“)
Absprachen treffen (Planung von Training)
Nicht belehren, vorschreiben, manipulieren, sondern überzeugen
Konsequenzen für die Praxis: Angebote machen (Trainingsbeginn)
Alternativen vorschlagen („Versuch doch mal…“)
Rückmeldung geben (Trainingsende)
Gemeinsam aktiv sein und Freude erleben

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